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Meddlstadl – Volksmetall

Label: Eigenproduktion

Spielzeit: 31:52 Min.

Genre: Metal

Info: Facebook

CD kaufen: Shop

Hörprobe: YouTube

VÖ-Datum: bereits erschienen

 

Zwei Sänger und zwei Gitarren bilden zusammen mit dem obligatorischen Drummer und Bassisten eine Band: Vor mittlerweile fünf Jahren gegründet geben die Stuttgarter Meddlstadl mit der eigenveröffentlichten EP „Volksmetall“ ein erstes Lebenszeichen von sich. Bei dem Namen Volksmetal(l) klingelt sicherlich bei den Meisten im Gedächtnis sofort etwas, hat doch gerade erst 2012 eine Band dieses Namens das Wackener Bierzelt erzittern lassen. Mit diesen Bayern hat das Stuttgarter Quintett jedoch nichts gemein, abgesehen davon, dass auch hier alte Lieder heavy metalisiert werden.
Die zünftigen Meddlstadler haben sich uralten deutschen Volksliedern angenommen und bringen diese dem Hörer auf metallische Art und Weise nahe. Aufgenommen wurde die Scheibe in den Zunftstuben unter den sorgsamen Händen von Tim Frenzl und Marc Eggert, welche das bunte Treiben der Süddeutschen passend in Szene setzen.
Den Auftakt der EP bildet das Stück ‚Im Wald da sind die Räuber’, welches als Intro das Stück ‚In der Halle des Bergkönigs’ von Edvard Grieg verwendet. Stark tiefergestimmte, beinahe verzerrte Wah-Wah-Gitarren tragen das Intro, bevor ein gegrowltes „Uuuuah“ in den liedbestimmenden galoppierenden Rhythmus überleitet. Tiefe Growls mischen sich im Verlauf des Stücks mit recht hohen, beinahe glasklaren Clean Vocals. Bei aller Vielfalt spürt man das musikalische Können der Stuttgarter und auch eine gewisse Ernsthaftigkeit, diese alten deutschen Stücke nicht zu stumpfen Saufliedern verkommen lassen zu wollen. Ein wenig Spaß ist dabei dennoch erlaubt und so verleitet gerade die etwas nasal vorgetragene Passage des besungenen Mädels „Lass uns lieber Brombeeren pflücken….“ ein wenig zum Schmunzeln. Passende Gitarrenmelodien und feine eingebaute Gitarren-Soli komplettieren das Stück bis hin zum Outro, welches erneut von tiefergestimmten Gitarren getragen wird.
“Volksmetall“ ist ein Spagat zwischen unterschiedlichen Metal-Stilen, was gerade im zweiten Track ‚Die Loreley’ deutlich wird. Power Metal-lische Einflüsse vermengen sich mit altem Hard Rock  unterlegt von geschickt eingebauten Chören. Dieses Stückchen ist das Schwächste der EP, was vor allem daran liegt dass die textliche Stimmung musikalisch nicht rübergebracht wird. Trotz erneuter Gitarrensoli wirkt das Ganze viel zu fröhlich, um die eigentlich melancholische Loreley wirklich musikalisch in Szene setzen zu können und verliert die Aufmerksamkeit des Hörers in textlicher Hinsicht zu schnell.
Ganz anders zeigt sich der dritte Track ‚Wir lieben die Stürme’. Hier passen die wuchtigen Riffs, die wechselhaften Gesänge und auch die partymäßigen „Hey’s“ zusammen und kreieren eine Stimmung, die einfach jeden mitreißt. Man meint beinahe ein Stück aus dem Repertoire der derzeit so beliebten Seemänner Santiano zu hören, jedoch ist ‚Wir lieben die Stürme’ ein altes Volkslied, welches erstmals in den 1930ern bekannt wurde.  
Voller Pathos und überzogenen Textdarstellungen trieft das Liedchen ‚Wie ein stolzer Adler’ förmlich. Aus Metal-lischer Sicht kommt dem geneigten Headbanger meist recht schnell eine gewisse amerikanische Band namens Manowar in den Sinn. Schnell wird deutlich, dass dieses Sinnbild nicht bloß reine Einbildung ist: ein ultralanges Intro von über zwei Minuten, wuchtige Riffs und heroischer, beinahe hymnischer Gesang sprechen eine deutliche Sprache. Den entsprechenden Mitgröhlrefrain gibt es mit „Adler, Adler“ dazu frisch auf den Punkt serviert. Gitarrensoli und beinahe epische Melodien stützen den Gesamteindruck und machen das Stück zum musikalischen Vorzeigewerk der EP.
Anzüglich und schunkelig geht es beim „Donaulied“ daher, welches in lyrischer Hinsicht kaum etwas mit dem berühmten Fluss zu tun hat. Dieses Midtempo-Stück inklusive typischer „Jahuhuhs“ täte in Karl Moiks Musikantenstadl passen, wenn da nicht die etwas in den Hintergrund tretenden E-Gitarren wären, welche viele dort Anwesende dem Herzanfall nahe bringen würden.
‚Kein schöner Land’ ist eigentlich bekannt als etwas schleichender Volkssong, welcher oft in Chören und Gesangsgruppen geleert wird. Meddlstadl zeigen bei diesem Track gleich von Anfang an wo der Hammer hängt und beginnen mit einer mächtigen Metal-Kante, bevor der erst leicht verzerrte und schließlich sehr hohe klare Gesang einsetzt. Die Gitarren vollführen bei diesem Track beinahe akrobatische Kunstwerke und setzen den Text passend in Szene. Beinahe ebenso dominant zeigen sich die Drums, welche sich des Öfteren in den Vordergrund drängen, sich aber dank des wirklich guten Sounds auf dem gesamten Werk nie zu sehr in den Mittelpunkt stellen. Insgesamt ist das Stück kein Highlight der EP, denn obwohl handwerklich gut gemacht fehlt das gewisse Etwas, so dass die Aufmerksamkeit des Hörers schnell schwindet.
Als kleinen Bonus gibt es auf der EP noch das Stückchen ‚Die Gedanken sind frei’ aus dem Jahr 2011 zu hören. Das Entstehungsjahr ist deutlich am etwas missglückten Sound zu erkennen, das Schlagwerk klingt dumpf ohne genügend Raum zu haben und die Gitarren sind ob des Schlagwerks zu sehr im Hintergrund, um wirklich mitreißend zu sein.

Insgesamt ist die EP „Volksmetall“ ein sehr solides Werk deutscher Musikkunst, welches trotz durchwachsender Tracks das Reinhören lohnt. Für gut angelegte fünf Euro kann das Scheibchen im Devotionalien-Shop der zünftigen Meddlstadler erworben werden.

Wiebke Hörmann



Tracklist:

1. Denn im Wald da sind die Räuber     
2. Die Loreley     
3. Wir lieben die Stürme     
4. Wie ein stolzer Adler
5. Donaulied     
6. Kein schöner Land     
7. Die Gedanken sind frei (2011)

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