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Vanderbuyst im Interview

Nur ein Jahr nach dem gefeierten Debüt, zeigen die Niederländer Vanderbuyst mit ihrem zweiten Album „In Dutch" erneut, wie richtiger Hard Rock mit Seele zu klingen hat. Gitarrist und Bandgründer Willem Verbuyst stand XXL-Rock Rede und Antwort und gewährt interessante Einblicke in den Aufnahmeprozess, erzählt von seinen Vorbildern und warum die Musik von heute bei ihm keine Chance hat. Und Pinguine kommen natürlich auch vor!

vanderbuyst

Hey Willem, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst, ein paar Fragen zu beantworten.
Ich hatte das große Vergnügen, Euer neues Album „In Dutch" vorab zu hören. Meiner Meinung nach ist es eines der besten 70er/80er-Rock-Alben, das ich seit langem gehört habe, das eben nicht aus den 70ern oder 80ern stammt.
Ich denke, Du kannst wirklich sehr zufrieden mit „In Dutch" sein. Waren die Aufnahmen zum zweiten Album einfacher oder doch schwieriger als beim ersten?

Hallo Christian. Im Allgemeinen kann man sagen, dass der Prozess reibungsloser ablief. Wir haben „In Dutch" in vier Tagen aufgenommen und das Mixing dauerte ebenfalls vier Tage. Es ging alles sehr schnell. Wir haben Bass, Schlagzeug und Gitarre zur gleichen Zeit aufgenommen und es gab keine Overdubs, was auch etwas Zeit gespart hat. Wir haben dieses Jahr eine Menge Live-Shows gespielt und wollten die Energie, die wir auf der Bühne haben, einfangen. Außerdem sorgt diese Arbeitweise für eine größere Dynamik und mehr Interaktion in den Songs, etwas, dass wir persönlich in moderneren Produktionen vermissen.

Oft hört man, dass es einen gewissen Druck gibt, das zweite Album abzuliefern, aber glücklicherweise hatten wir keine Zeit, uns über solche Dinge Gedanken zu machen. Wir hatten sogar eine Festival-Show während unserer letzten Arbeitstage im Void-Studio. Die Arbeit mit Pieter Kloos ist immer aufregend. Die Tatsache, dass wir bessere Musiker geworden sind, hat es zu einem angenehmen Job gemacht.

Es ist ein sehr roh und dreckig klingendes Album geworden. Habt ihr viele Versuche gebraucht, um die Songs aufzunehmen oder war es mehr eine „Live in Studio"-Sache? Gab es noch viel Nachbearbeitung und Editing am Computer?

Wie ich schon sagte, es war hauptsächlich eine Live-Sache. Die Instrumente wurden live aufgenommen und es gab auch nicht viele Versuche: wir waren nicht auf der Suche nach Perfektion. We wanted it real! Wir sind keine Roboter. Bei Musik geht es um menschliche Emotionen, das war daher unser Ziel.
Die Vocals wurden später hinzugefügt, weil es in dem Raum, in dem wir gespielt haben, einfach zu laut war. Ich denke, man kann sagen, dass das Album so gut wie gar nicht aufbereitet wurde. Es ist, wie Du schon sagtest, roh und absolut gar nicht aufpoliert. Wir haben ein analoges Tonbandgerät benutzt, wie in alten Zeiten, was für diese Art von Musik super ist.

Wie genau funktioniert der Writing-Prozess bei Vanderbuyst? Schreibst Du den Großteil der Musik und der Texte allein oder ist es eine Zusammenarbeit mit den anderen?

Für dieses Album habe ich das meiste Material geschrieben. Jochem hat die Lyrics für ‚Leaving the Living' und die Musik für ‚Reap the Fields' geschrieben. Barry hat ebenfalls einige Texte geschrieben, aber der Song hat es letztendlich nicht aufs Album geschafft. Bei Vanderbuyst darf jeder gerne etwas beitragen, wenn er möchte. Es ist keine One-Man-Show, aber bislang fällt es mir leicht, neue Ideen zu haben. Meistens nehme ich zu Hause Demos auf, die wir zusammen bei den Proben finalisieren.

vanderbuyst_indutch-front-webNeben der Tatsache, dass ihr diese Musik liebt, was sind die Gründe, dass ihr diese Art Old-School-Rock spielt? Hasst ihr einfach das ganze moderne, sehr klinisch klingende Zeug heutzutage? Denkst Du, der heutige Rock und Metal sollte wieder mehr zu den Wurzeln zurückfinden?

Ich habe Schwierigkeiten damit, Gefallen an dem neueren Kram zu finden. Ich muss wirklich als Musiker zuhören und versuchen, die Musik für ihre technischen Vorzüge zu schätzen, weil sie mich sonst einfach nicht so berührt, wie es ältere Musik schafft. Heutzutage ist die technische Umsetzung oftmals wichtiger als der Song selbst. Ich bin der Meinung, der Song sollte oberste Priorität sein.
Eine weitere Sache, die ich nicht mag, ist die „Snap-to-Grid"-Einstellung, was bedeutet, dass alles im Studio mit Hilfe von Computer-Programmen perfektioniert wird. Die Konsequenz ist, dass jegliches Gefühl zerstört wird. Wenn Du Radio hörst, kann man heutzutage hören, dass die Stimmen nicht mehr menschlich klingen. Sänger treffen zwar jeden Ton, aber sie klingen emotionslos wie Roboter für mich.

Du stehst eindeutig auf die Rock-Bands der 70er und 80er Jahre. Aber wer ist denn Deine Leiblingsband? Sänger? Songwriter?

Das ist nicht so einfach zu sagen. Für jede Stimmung und Situation gibt es eine andere Musik. Aber ich denke, dass es keine Band gibt, die ich häufiger spiele, als ZZ Top.
Dio ist für mich der beste Sänger aller Zeiten. Er hat alles. Von seiner Stimme kann ich nie zu viel bekommen.
Songwriting ist schwierig. Vielleicht Neil Young. Manchmal habe ich das Gefühl, dass der Produzent auch viel beitragen kann.

Während ich „In Dutch" gehört habe, wurde ich sehr oft an viele großartige Bands erinnert. Das Schlagzeug-Intro von ‚Anarchistic Storm' klingt beispielsweise sehr nach dem Intro von Rainbow's ‚Stargazer'. Nur Zufall oder gibt es einige bewusst gewählte Referenzen auf dem Album?

Ich kann mir gut vorstellen, dass Dich das Drum Intro an Cozy Powel's Intro von ‚Stargazer' erinnert. Mir ging es genauso, als Barry es zum ersten Mal gespielt hat. Manchmal werde ich auch von anderen inspiriert, wenn ich Musik schreibe. Als ich zum Beispiel das Solo für ‚KGB' geschrieben habe, hatte ich irgendwie Ritchie Blackmore im Hinterkopf, möglicherweise mehr seinen Sound als seinen Stil. ‚String of Beads' ist eindeutig von Thin Lizzy inspiriert. Es ist aber definitiv nicht so, dass wir absichtlich versuchen Lieder im Stil von X oder Y zu schreiben, aber es stimmt, Einflüsse von den Klassikern sind da.

Warum der Titel „In Dutch"? Hat er eine tiefere Bedeutung oder bist Du einfach nur stolz auf Dein Heimatland? Glaubst Du, dass ihr mal einen Song oder sogar ein ganzes Album auf Holländisch aufnehmen werdet?

Als wir uns den Titel für unser zweites Album überlegt haben, wollten wir etwas, dass zeigt, dass wir eine Band aus den Niederlanden sind. Aber „In Dutch" ist mehr als das. „In Dutch" heißt, in Schwierigkeiten zu stecken oder in Ungnade gefallen zu sein und alle Stücke auf dem Album haben dieses Thema gemein. In ‚Black and Blue' geht es zum Beispiel um ein Mädchen mit Problemen, nachdem es ihren Mann betrogen hat. In ‚Into the Fire' fällt Kain in Ungnade, nachdem er seinen Bruder getötet hat.
Nein, ich kann mir ein Vanderbuyst-Album auf Holländisch nicht vorstellen.

vanderbusyt1Das Cover Artwork ist sehr künstlerisch. Ich habe den Rosenkranz und die Schildkröte entdeckt, „die Du nie fangen wirst" (Zitat aus ‚Where's that Devil'). Gibt es auf dem Bild noch weitere Anspielungen auf Songs von dem Album? Wer hatte die Idee für das Motiv?

Ich möchte jetzt den Spaß nicht zu sehr verderben, Dinge in dem Bild zu entdecken. Und ich muss auch zugeben: ich kann es auch nicht vollständig erfassen und bin hin und wieder auch noch überrascht. Ich weiß aber, dass es einige Pinguine zu finden gibt. „Penguin" ist der Spitzname von Thomas Sciarone, der zusammen mit Milena Van Den Berg das Artwork gestaltet hat. Wir haben ihm gesagt, wir möchten etwas mit einem Mädchen in Schwierigkeiten. Gleichzeitig sollte es aber auch schwer zu verstehen sein, damit Du fasziniert bleibst, wie bei dem Cover von „Animal Magnetism" von den Scorpions. Ich finde, die beiden haben einen tollen Job gemacht. Darüberhinaus ist es ein schöner Kontrast zu den bösen und düsteren Artworks, die man für gewöhnlich in den härteren Genres findet.

Wo ich eben schon ‚Where's that Devil' angesprochen habe: der Song sticht wirklich hervor. Er ist länger, so langsam, wie er nur sein kann, düster, heavy und absolut brilliant. Was war die Inspiration hinter dem Stück? Hattest Du etwas Bestimmtes im Kopf, als Du ihn geschrieben hast?

Vielen Dank. Der Song handelt von dem alten Blues-Thema seine Seele dem Teufel zu verkaufen. Es geht darum, Entscheidung zu treffen, die Dein Leben verändern. Blues-Stringers, wie Robert Johnson, haben ähnliche Geschichten. Es geht darum, den Willen zu haben, etwas aufzugeben und alles für Deinen Traum zu opfern. Aber manchmal scheint es, als wäre selbst das nicht genug.
Das Crossroad-Thema ist natürlich auch recht persönlich. Ich wollte damit ausdrücken, dass meine Leidenschaft für Musik ganz und gar ist.

Ihr seid von November an auf Tour. Was können Eure Fans von diesen Shows erwarten? Habt ihr etwas Besonderes geplant?

Wir werden viele Songs vom neuen Album spielen. Bei einigen Shows werden wir auch unsere eigene Light-Show haben. Das ist neu und ich freue mich darauf. Aber das neue Album live zu hören ist Grund genug, zu den Konzerten zu kommen.

Falls Du noch etwas zu Euren Fans sagen möchtest, hast Du jetzt die Gelegenheit:

An Eure Leser und unsere Fans: Ich hoffe, Euch gefällt „In Dutch" genauso sehr wie uns. Im Januar sind wir mit Grand Magus, Bullet, Skullfist und Steelwing auf Tour. Ein großartiges Line-Up, wenn ihr mich fragt. Wir werden sechs Konzerte in Deutschland geben und ich bin mir sicher, dass wir Euch dort headbangen sehen werden. Und zögert nicht, uns nach dem Auftritt zu besuchen und ein Bier mit uns zu trinken!

Vielen Dank für Deine Zeit und ein geiles Album!

Christian, vielen Dank für das Interview, wir wissen das zu schätzen. Und ich hoffe, dass wir Dich auch bei einem unserer Konzerte sehen.

Cheers,
Willem

Christian Schrübbers

 

 
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