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Endseeker Listening-Session

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Zur besten Tatort-Zeit (auf irgendwelchen obskuren Kanälen läuft ja immer ein uralt-Schimanski) luden die Hamburger Todesmetaller Endseeker am vergangenen Donnerstag in die Chameleon-Studios, um den ersten, noch unbetitelten Longplayer den anwesenden Pressemenschen vorzustellen. Nachdem die erste EP „Corrosive Revelation“ vielerorts positiv abgeschnitten hat, dufte man gespannt sein, was die Band als ersten vollwertigen Arbeitsnachweis abgeliefert hat.Bevor wir in das Album lauschen konnten, führte uns Produzent Eike Freese durch die Räumlichkeiten des Studiokomplexes und erzählte von der langen Geschichte der Studios und vergangenen Produktionen, die dort aufgenommen wurden. Unter anderem nahmen hier Roy Black, Udo Lindenberg und G.G. Anderson auf. Tja, und nun eben Death Metal...
Während Gitarrist Jury in Studio 3 die musikalische Entstehungsgeschichte zu den jeweiligen Songs erläuterte, erzählte Fronter Lenny mit seiner unnachahmlichen Art und Weise die, zum Teil doch sehr derben, Konzepte zu den neuen Texten. Schade nur, dass das niemand gefilmt hat. Filmreif, sage ich nur.
Erscheinen soll die knapp 43-Minütige Scheibe im Herbst auf FDA Records. Hier ein paar Eindrücke zum Album, vorab möchte ich aber noch erwähnen, dass wir die Songs lediglich einmal gehört haben und dass die hier vorliegende Tracklist nicht in Stein gemeißelt ist und sich mit Sicherheit ein wenig ändern wird. Here we go:

Nach dem von den Live-Auftritten bekannten Intro folgt mit „Flesh Hammer Prophecy“ der erste reguläre Song, der eine leicht punkige Attitüde besitzt und zum Ende mit einem Greg Machintosh-Solo glänzt (geil!). Sollte dies der mögliche Opener werden, wäre es eine gute Wahl.
Das nachfolgende, sehr groovige „Shredding Your Graven Image“ könnte Live mächtig nach Vorne gehen, besonders die treibenden Double Bass-Einlagen begeistern.
Etwas aus dem Rahmen fällt „Worshipping The Bloodthirsty“, das laut Hauptideengeber Jury wie eine Mischung aus Entombed und Down klingt. Letztere würde ich streichen und es durch Metallica zu seeligen „Black-Album“-Zeiten ersetzten. Klingt, wie gesagt, etwas anders als das gewohnte Endeeker-Material, tut dem Album jedoch sehr gut und könnte in der Live Situation ähnlich punkten wie das eben gehörte „Shredding Your Graven Image“.
Aber keine Angst, mit „Demon Spawn“ folgt ein recht flotter, typischer Endseeker-Track (falls man das nach einer EP schon sagen kann), der einmal mehr eine gewisse Nähe zu Dismember durchblicken lässt und zudem ein dezentes Morgoth-Feeling besitzt. Sehr geiler Song.
Apropos Morgoth: bei „Black Star Rising“ rotzt niemand geringeres als Ex-Morgoth Sänger Marc Grewe gemeinsam mit Sänger Lenny durch den leicht punkigen Song, der zum Ende etwas an At The Gates erinnert, womit man bei mir natürlich offene Türen einrennt. Ein weiteres Highlight.
Nachdem es auf „Corrosive Revelation“ schon eine Entombed Verbeugung in Form der „Supposed To Rot“-Coverversion gab, war ich von einem weiteren Cover (dieses Mal Bolt Thrower) eher mäßig begeistert. Dennoch muss ich zugegeben, dass das massive „Power Burns“ im HM-2 Soundgewand dann doch einiges her macht.
Der, laut Jury, technisch anspruchsvollste Track hört auf den Namen „Feasting On The Decomposed“, zündet ein wahres Riff-Feuerwerk ab und besitzt zudem ähm, nennen wir es mal „sehr interessante“ Lyrics. Aber dazu später mehr im Interview, wenn die Platte promotet wird. Ein weiterer Killer.
„Possessed By The Flame“ greift das Hauptthema aus dem Intro wieder auf und wird geschickt im Song verpackt. Schöner Doomer und mein heimlicher Favorit, der sich meiner Meinung nach (wegen dem wiederkehrenden Intro-Thema) sehr gut am Ende der Scheibe machen würde um das Album abzurunden.
Ähnlich wie „Feasting On The Decomposed“ kommt auch das abschließende „Malicious Instinct“ etwas progressiver daher, begeistert mit Blastbeat-Attacken und besitzt einen leichten Cannibal Corpse-Einschlag. Sehr starker Song.

Fazit: auch wenn uns das Album lediglich einmal vorgespielt wurde und noch nicht alles 100% fertig ist, kann man jetzt schon von einem Death-Metal-Jahreshighlight sprechen. Warum? Im Gegensatz zur EP klingen Endseeker nun deutlich rotziger, runder, „mehr nach Band“, wenn man so möchte. Auch wenn in der Listening-Session häufig Namen wie Entombed, Dismember, Morgoth oder At The Gates gefallen sind, kann von abkupfern nicht die Rede sein, vielmehr ist es flirten mit den verschiedenen Einflüssen der Szenegrössen. Der Band ist es gelungen, daraus ein völlig eigenständiges und enorm abwechslungsreiches Album mit viel Liebe zum Detail zu basteln, das zudem eine knackige Produktion besitzt, die man nicht schon auf diversen anderen Alben der Genre-Kollegen gehört hat. Oder um es mit einem Wort zu sagen: Respekt.

Sven Meier

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