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Aktuelle Seite: StartseiteTonträger-ReviewsC-DDeath Alley - Black Magick Boogieland

Code: Mut

code mut cover smLabel: Agonia Records

Spielzeit: 35:43 Min.

Genre: Post-Rock

Info: Facebook

CD kaufen: sm-metal-shop

Hörprobe: Youtube

VÖ-Datum: bereits erschienen

 

 

Hier liegt es also vor, das vierte Studioalbum der Londoner Progressive-Postrock-Band namens , welches vor ein paar Tage bei mir per Post als Promo-CD eingetroffen ist und bereits am 27. Februar veröffentlicht wurde. Das Label schreibt in dem Infozettel nur überschwenglich positives über ,,mut", als wäre es der heißeste Scheiß seit Erfindung der Dampfmaschine. Eine Nominierung des Spellemann Award hat die Band bereits im Kasten gehabt für ihr zweites Album ,,Resplendet Grotesque" und hat ihre Wurzeln auch im Black Metal, während das neue Album ganz klar die rockigere Schiene auffährt. Also, diesmal tatsächlich CD reingeschmissen und mal hören, ob die 35 Minuten tatsächlich etwas hergeben, worüber James Watt erblassen würde vor Neid.

Es fängt an mit ,,On blinding larks" und ein schwerer Stampfer mit einem verträumten Gitarrenteppich geht los, bevor ein sehr softer, melodischer Gesang einsetzt, der auch Justin-Bieber-Fans gefallen dürfte. Für meine Verhältnisse zwar zu soft, aber ansonsten dürften alle, die was mit Isis, Neurosis und den neueren Sachen von Enslaved anfangen können, ihre Freude an diesem Lied haben.
,,Undertone" ist da vom Tempo schon etwas straighter und treibender, hier wird der softe Unterton mit dissonanten Gitarrenklängen kombiniert und der Gesang, der mir nicht so recht ins Bild für diese Musikrichtung passen will, gibt dennoch in diesem Lied eine gute Figur ab. Hintergründige Keyboard-Teppiche runden das Klangbild ab und lassen mich tatsächlich Erinnerungen an Genesis zu ,,Wind-and-Wuthering"-Zeiten (,wo sie noch softer klangen als es hier tun) wach werden.
Das dritte Lied ,,Dialogue" ist dann tatsächlich eine Art Dialog zwischen den verschiedenen Rollen, die der Sänger hier vertritt - von leisem Schnulzengesang über manisches Flüstern bis hin zu verzweifeltem Klagegesang á la Primordial vertritt er hier mehrere Facetten seines stimmlichen Könnens. Sogar Grunge-Elemente kann ich hier ausmachen, da das Lied immer zwischen verträumten, ruhigen Strophen und dem abgedrehten Refrain wechselt. Hätte auch auf einer Devin-Townsend-Platte eine gute Nummer abgegeben. Hinterher driftet das Lied dann nochmal in ruhigen Gefilde, bevor es sich zum Ende hin noch einmal dramaturgisch aufbaut und so das erste ,,richtige" Highlight des Albums beschließt.
Kommen wir zu ,,Affliction", das sehr psychedelisch und mit dem Einsatz des Mellotron beginnt und uns in neue Klangwelten mitnimmt. Dieses Lied fällt dann leider doch ein bisschen ab, da es mich vom Gesang und der Stimmung an das unsägliche ,,Pale-Communion"-Album von Opeth erinnert. Immerhin nimmt das Lied im Mittelteil überraschenderweise richtig Fahrt auf und vermischt cleanen Gesang mit blutrünstigem Black-Metal-Gekrächze, bevor es am Ende wieder in dasselbe Schema zurückkehrt.
,,Contours" hätte von seinem kaputten Gesang her auch zu den Deftones passen können. Nicht, dass wir es hier mit Nu-Metal zu tun haben, aber die postapokalyptische Stimmung, die das Lied entfacht, passt von der Attitüde her einfach zu solchen Gruppen, ob es wollen oder nicht! Glücklicherweise ist das Lied nicht so bieder wie ,,Affliction", das wirklich ein Ausrutscher gewesen zu sein scheint , sondern hinterlässt bei mir ein angenehmes Gefühl, was sicherlich auch an den Synthesizer-Flöten liegt, die auch in einer Tierfabel als musikalische Untermalung gepasst hätte.
,,Inland sea" erinnert von seinem Anfang dann doch tatsächlich an Iron Maiden mit seinen treibenden Bass- und Gitarrenläufen, bevor das Lied dann richtig losgeht und eher die Alternative-Schiene bedient. Der Wechsel zwischen diesen beiden Passagen im Lied gefallen mir richtig gut und machen es zu einem weiteren Höhepunkt des Albums.
Das Lied ,,Cocoon" weiß dann durch seine groovige Schlagzeugarbeit zu gefallen und ich bekomme das Gefühl, dass genau dieses Lied im Studio die Musiker besonders gefordert haben muss. Auch hier gefällt mir die Vermischung von 90er-Jahre-Groove mit 70er-Jahre-Reminiszenzen richtig gut und zeigt, dass tatsächlich in der Lage sind, richtige Hits zu schreiben, wenn sie wollen und sich nicht wundern brauchen, wenn bei der nächsten Spellemann-Award-Verleihung für die Band mehr als eine Nominierung draus wird. Der Anfang von ,,Numb, an author" fällt dann durch seine Harmonierung tiefgründiger und atmosphärischer aus als die anderen Lieder, geht dann aber leider in einen ziemlich beliebigen 08/15-Teil über, der mit dafür verantwortlich ist, dass das Lied nicht zu einem erwarteten, weiteren Highlight des Albums wird. Mit ,,The bloom in the blast" folgt dann eine versöhnliche 6/8-Nummer, der zwar noch weitere Lieder hätten folgen können, die aber dennoch hörenswert ist und zeigt, dass nicht nur experimentierfreudig sein können, sondern auch, dass es bei dieser Gruppe passt und nicht auf Teufel komm raus passiert (so, wie das bei ,,Nostradamus" von Judas Priest der Fall war).... Der Gesang im Mittelteil erinnert mich hier witziger weise an Jonathan Davis von KoRn (sorry, habe das umgedrehte R nicht hinbekommen), da der cleane Gesang mit verzweifeltem Gewinsel vermischt wird, das aber auf einer sehr stilvollen und niveauvollen Art. Da kann man nicht meckern.

Bleibt abschließend zu sagen, dass ordentlich Sympathie-Punkte bei mir einfahren können, da sie nicht nur ihre Instrumente in technischer Hinsicht sehr gut beherrschen, sondern auch musikalisch sich sehr vielseitig zeigen. Zwar ist die Trefferquote bei ihren Liedern nicht immer hoch (drei Hammersongs, vier gelungene Songs und zwei Ausfälle, die Erinnerungen an das unsägliche, letzte Opeth-Album werden immer wieder wachgerüttelt), dennoch sollten Interessenten genannter Bands und Genres die Gruppe unbedingt antasten, sodass sie vom szeneinternen Geheimtipp bald in größeren Gefilden schwimmen dürfte. Hier zücke ich diesmal eine L-Bewertung, da der Großteil des Materials und aufgrund der genannten Besonderheiten zwar überzeugen kann, trotzdem gibt es aufgrund des stellenweise schwülstigen Gesangs, der viel zu kurzen Spieldauer und der genannten Ausfälle definitiv noch Ausbaupotenzial.

Anspieltipps: Dialogue, Inland Sea und Cocoon

Domenic Saheb Djavaher

XXL WertungL

Tracklist:

1. On blinding larks
2. Undertone
3. Dialogue
4. Affliction
5. Contours
6. Inland sea
7. Cocoon
8. Numb, an author
9. The bloom in the blast

XXL-Tipp

XXL TippxxlSulphurAeon

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