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Xandria: Fire & Ashes

XANDRIA Fire  Ashes KopieLabel: Napalm Records

Spielzeit: 34:59 Min.

Genre: Symphonic Metal, Gothic Metal

Info: Facebook

CD kaufen: Amazon

Hörprobe: Youtube

VÖ-Datum: bereits erschienen

 

Das kann doch nicht wahr sein! Nachdem uns ja schon Anthrax in den letzten Jahren mit ihren peinlichen Sängerwechseln die Köpfe schütteln ließen, scheinen jetzt übrigens auch XANDRIA auf den Geschmack gekommen zu sein und machen das Ganze Affentheater nach - oder wie erklärt ihr euch, dass 2008 erst Gesangsikone Lisa Middelhauve das Weite sucht, dann ex-Axxis-Co-Sängerin Kerstin Bischoff alias Lakonia anheuert, um nach nicht einmal einem Jahr wieder das Handtuch zu werfen (Grund: sie wollte lieber einen ,,normalen" Beruf ausüben)? Damit nicht genug, kam Lisa Middelhauve schließlich für einige Konzerte wieder zurück, bevor den endgültigen Zuschlag dann ex-Haggard-Sirene Manuela Kraller bekam. Tja, und drei Jahre und ein St.-Udio-Album später ist auch sie wieder raus und nun durfte Dianne van Giersbergen (die NICHT verwandt oder verschwägert ist mit Anneke van Giersbergen!) im letzten Jahr ihren Einstand auf dem Album ,,Neverworld's End" geben, dem jetzt als Beilage eine neue Mini-CD nachgeschoben wird. Wie lange es bis zu einem erneuten Sängerwechsel dauert, bleibt abzuwarten.

Auf ,,Fire and Ashes" präsentieren uns die vier Bielefelder und die Holländerin drei neue Tracks, zwei Coversongs und zwei Neuaufnahmen alter Klassiker mit einer für EP-Verhältnisse mehr als akzeptablen Spieldauer von 35 Minuten. Der Opener ,,Voyage of the Fallen" deckt dabei das ganze Können der Gruppe ab (harte Gitarren, Chorgesänge, Mezzo-Soprano-Gesang zwischen Pop und Oper, Cembalo-Keyboards, Streicher) und wartet mit einem cheesigen Refrain auf, der Erinnerungen an alte Therion-Zeiten, als sie sich vom Death Metal endgültig losgesagt hatten, wach werden lässt. Als Opener eine gute Wahl, dem mit ,,Unembraced" ein mehr als passender Stampfer folgt - erinnert ein bisschen an eine dramaturgischere Version von Nightwish's ,,Nemo". Der Spagat zwischen Härte und Kitsch wird hier mit mehr als Bravour gemeistert. Mit ,,In Remembrance" folgt dann die für ein Album dieser Machart obligatorische Ballade, die allerdings bei weitem nicht so kitschig rüberkommt wie befürchtet, sondern Tiefgang hat und durch die Instrumentation und den operettenhaften Gesang eine atemberaubende Atmosphäre entfacht. Hinterher steigert sich das Stück zum Höhepunkt und hinterlässt einen weiteren Höhepunkt auf der Platte.

Das weltberühmte ,,I'd Do Anything for Love (But I Won't Do That)" von Meat Loafs ,,Bat-out-of-Hell-II" dürfte der bekannteste Song auf diesem Album sein und beim Hören von ,,Fire and Ashes" war ich auf XANDRIAs Interpretation des Stückes, das von fast 12 Minuten auf 7 1/2 immer noch starke Minuten runter gekürzt wurde, am meisten gespannt. Der Eckpfeiler zwischen Pop-Rock, Bombast, Gospel, Musical-Flair und Klassik wurde weitgehend im Original belassen, aber mit noch mehr Bombast, wie es für XANDRIA typisch ist, aufgewertet. Leider nimmt dieser viel von der Atmosphäre des Originals weg, da es zusammen mit dieser lauten Gitarrenwand einfach zu übergeladen und kitschig klingt. Auch hätte ich mir hier mehr von Diannes operettenhaftem Gesang gewünscht, hier klingt ihr Gesang zu sehr auf Pop getrimmt, zu sehr gewollt, sehr gepresst. Wenn XANDRIA einem Coversong ihren eigenen Stempel aufdrücken wollen, ohne die Magie des Originals zu zerstören, wäre das doch die beste Möglichkeit gewesen, die klassische Seite der Gruppe mehr in den Vordergrund zu stellen?! Lediglich der männliche Gesang von Valerio Recenti, der den weiblichen Teil des Originals übernimmt, ist die einzige, wirklich positive Überraschung in dem Song. Ansonsten gibt es hier einen Punkt Abzug für einen missglückten Versuch. Das neuaufgenommene Original ,,Ravenheart" dagegen gibt eine sehr gute Figur ab, majestätisch in Szene gesetzt, mit Panflöte und Akustik-Gitarre wird hier eine verträumt-romantische Stimmung hochbeschworen. Auch Diannes Gesang klingt hier wieder sehr emotional und vielseitig - eine Diskussion darüber, ob sie mit Lisa Middlehauves Gesang mithalten kann, lass ich hier aus, das würde den Rahmen der Rezension sprengen. Dem ebenfalls neu aufgenommenen ,,Now and Forever" dagegen hört man an, dass das Stück irgendwann Ende der 90er/Anfang der 00er Jahre komponiert worden sein musste. Lieder dieser Machart waren seinerzeit im Radio einfach Gang und Gäbe - auch, wenn das Lied somit bei dieser EP einen leicht angestaubten Touch rüberbringt - und so können wir hier nicht von einem Highlight sprechen. Das Sonata-Arctica-Cover ,,Don't Say a Word" kommt mitderselben sonata-arktischen Magie wie das Original rüber (melancholische Melodien, Keyboardsolos und nintendo-artiges Gitarrengefrickel), was sich auch im Gesang niederschlägt. Lieder dieser Gangart sind einfach typisch für Tony Kakko und seinen wechselnden Spielkameraden - lediglich der operettenhafte Gesang von Dianne ist hier meiner Meinung nach etwas deplaziert. Anders als beim Meat-Loaf-Cover hätte ich mir das Lied vom Gesang etwas poppiger gewünscht - aber das ist hier eine rein objektive Meinung.

Für diese gelungene EP mit drei, vier Highlights und zwei weniger gelungenen Songs gibt es, abzüglich der fehlenden Originalität eine L-Bewertung.

Domenic Saheb Djavaher

XXL WertungL

Tracklist:

01. Voyage Of The Fallen
02. Unembraced
03. In Remembrance
04. I'd Do Anything For Love (But I Won't Do That) (MeatLoaf Cover)
05. Ravenheart (Remake)
06. Now & Forever (Remake)
07. Don't Say A Word (Sonatica Arctica Cover)

XXL-Tipp

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